100 Jahre Badhütte Rorschach

Bild: Im März 1923 begannen die Bauarbeiten für die neue städtische Badanstalt.
In Kürze
Am 22. Juni 1924 wurde die Badhütte nach knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit offiziell eröffnet, damals noch über einen langen Steg ab der Seelinie mit dem Land verbunden und mit eigenem Bahnübergang. Die Seepromenade vor der Badhütte kam erst viele Jahre später. Die städtischen Badanstalten hatten ihren Ursprung in der Hygiene, denn zu jener Zeit verfügten nur wenige Haushalte über ein eigenes Bad. In den Badanstalten konnten die Menschen in den Kabinen, ausgestattet mit Badewannen, für wenig Geld den Schmutz des Alltags abwaschen. Heute ist die Badhütte für viele Menschen ein Sehnsuchtsort und das sommerliche Wahrzeichen der Stadt.

Jubiläumsanlass vom 22. Juni 2024

Am 22. Juni 2024 findet aus Anlass des 100 Jahr-Jubiläums der Badhütte eine kleine Feier statt:

10.00 Uhr: Ansprache von Stadtpräsident Robert Raths
10.15 Uhr: Ansprache von Richard Lehner
ab 10.30 Uhr: Begehung, kleine Fotoausstellung, Stehapéro
ca. 11.00 Uhr: Ende offizieller Teil

Autor: Richard Lehner
Der Sehnsuchtsort über dem Wasser

Für viele Menschen ist die Badhütte Rorschach ein Sehnsuchtsort. Zwischen Mai und September ist das Kastenbad, das vor 100 Jahren gebaut wurde, das sommerliche Wahrzeichen der Stadt. Während den anderen Monaten gebührt diese Ehre dem Kornhaus. Auch wenn das Kornhaus noch ein paar Jahrhunderte älter ist, ist die Badhütte ebenfalls ein Werk, das Bestand hat und von den Badegästen seit seiner Eröffnung mit Freude genutzt wird.

Mit eigenem Bahnübergang

Am 19. Mai 1924 betraten erstmals Schwimmerinnen und Schwimmer die städtische Seebadeanstalt – im Volksmund liebevoll «Badhütte» genannt. Die Menschen bewegten sich wie heute über einen Steg, der damals noch bis zur Seelinie der Eisenbahn reichte und einen eigenen Bahnübergang aufwies. Die Schranke wurde von den Badmeistern bedient, denn damals war der Zugverkehr auf der Seelinie noch übersichtlich. Der Bahnübergang existiert heute (leider) nicht mehr. Ebenso ist der Steg zum Eingang hin kürzer, denn seit über 60 Jahren lädt vor der Badhütte die Uferpromenade zum Flanieren ein.

Offiziell eröffnet wurde die Badhütte am Sonntag, 22. Juni 1924, an einem Regentag. Trotzdem strömte viel Volk ans Ufer und in die Badhütte, denn der Schwimmclub Rorschach hatte einen Wettbewerb ausgerufen mit Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Gefeiert wurde die Inbetriebnahme eines Bauwerks, das innerhalb von knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit aus dem Bodensee wuchs. Die Badhütte ersetzte die alten Badanstalten, die während Jahrzehnten ein wichtiger Ort für viele Menschen aus Rorschach gewesen waren. Denn zu jener Zeit verfügten nur wenige Haushalte über ein eigenes Bad. In den Badanstalten konnten die Menschen in den Kabinen, ausgestattet mit Badewannen, für wenig Geld den Schmutz des Alltags abwaschen. Die Hygiene stand damit am Ursprung der Badanstalten. Erst später folgte mit dem Aufkommen der Sommerfrische das Vergnügen, sich auf den Planken über dem Wasser zu sonnen und im See zu schwimmen. Bis im Spätsommer 1966 herrschte in der Badhütte noch die Geschlechtertrennung, mit einem Frauen- und einem Männerbad.

Eine kleine Welt über dem Wasser

Was die Badhütte so besonders macht, ist ihre Bauweise, auf 74 Säulen über dem Wasser ruhend, nur über einen Steg mit dem Ufer verbunden. Im Innern sind es die schmalen Bretter, die den Blick freigeben auf das Wasser, das je nach Wetter grün, blau oder grau durch die Ritzen schimmert. Die Einzelkabinen, die Umkleidekabinen auf der Frauen- und Männerseite, die Liegebretter, die Sitzbänke und weiter draussen die Flosse und Bojen, sie alle tragen zur Ausstrahlung der Badhütte bei, ein Hauch Nostalgie im Hier und Heute.

Die spannendsten Geschichten rund um die Badhütte sind jene, die von den Menschen selbst erzählt werden. Es sind persönliche Erlebnisse, freudige und bedenkenswerte Begebenheiten. Auch das macht die Badhütte aus. Denn hier gibt es (fast) nichts, was ablenkt. Zuhören, selber etwas erzählen, schwimmen, Glace schlecken und weitere Köstlichkeiten vom Kiosk und aus der Küche geniessen, gehören zum «Erlebnis Badhütte». Eine kleine Welt über dem Wasser, der es Sorge zu tragen gilt.

Richard Lehner (*1957) ist Autor des Buches «Badhütte Rorschach – Geschichte(n) über dem Wasser» (2003) und der neuen Publikation «100 Jahre Badhütte Rorschach», die ab 22. Juni 2024 in der Badhütte und in der Buchhandlung WörterSpiel und im Buchhandel erhältlich ist. Mit neuen Texten, zahlreichen farbigen Bildern, aber auch mit Auszügen aus dem vergriffenen Badhütte-Buch.

Für viele Menschen ist die Badhütte Rorschach ein Sehnsuchtsort. Zwischen Mai und September ist das Kastenbad, das vor 100 Jahren gebaut wurde, das sommerliche Wahrzeichen der Stadt. Während den anderen Monaten gebührt diese Ehre dem Kornhaus. Auch wenn das Kornhaus noch ein paar Jahrhunderte älter ist, ist die Badhütte ebenfalls ein Werk, das Bestand hat und von den Badegästen seit seiner Eröffnung mit Freude genutzt wird.

Mit eigenem Bahnübergang

Am 19. Mai 1924 betraten erstmals Schwimmerinnen und Schwimmer die städtische Seebadeanstalt – im Volksmund liebevoll «Badhütte» genannt. Die Menschen bewegten sich wie heute über einen Steg, der damals noch bis zur Seelinie der Eisenbahn reichte und einen eigenen Bahnübergang aufwies. Die Schranke wurde von den Badmeistern bedient, denn damals war der Zugverkehr auf der Seelinie noch übersichtlich. Der Bahnübergang existiert heute (leider) nicht mehr. Ebenso ist der Steg zum Eingang hin kürzer, denn seit über 60 Jahren lädt vor der Badhütte die Uferpromenade zum Flanieren ein.

Offiziell eröffnet wurde die Badhütte am Sonntag, 22. Juni 1924, an einem Regentag. Trotzdem strömte viel Volk ans Ufer und in die Badhütte, denn der Schwimmclub Rorschach hatte einen Wettbewerb ausgerufen mit Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Gefeiert wurde die Inbetriebnahme eines Bauwerks, das innerhalb von knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit aus dem Bodensee wuchs. Die Badhütte ersetzte die alten Badanstalten, die während Jahrzehnten ein wichtiger Ort für viele Menschen aus Rorschach gewesen waren. Denn zu jener Zeit verfügten nur wenige Haushalte über ein eigenes Bad. In den Badanstalten konnten die Menschen in den Kabinen, ausgestattet mit Badewannen, für wenig Geld den Schmutz des Alltags abwaschen. Die Hygiene stand damit am Ursprung der Badanstalten. Erst später folgte mit dem Aufkommen der Sommerfrische das Vergnügen, sich auf den Planken über dem Wasser zu sonnen und im See zu schwimmen. Bis im Spätsommer 1966 herrschte in der Badhütte noch die Geschlechtertrennung, mit einem Frauen- und einem Männerbad.

Eine kleine Welt über dem Wasser

Was die Badhütte so besonders macht, ist ihre Bauweise, auf 74 Säulen über dem Wasser ruhend, nur über einen Steg mit dem Ufer verbunden. Im Innern sind es die schmalen Bretter, die den Blick freigeben auf das Wasser, das je nach Wetter grün, blau oder grau durch die Ritzen schimmert. Die Einzelkabinen, die Umkleidekabinen auf der Frauen- und Männerseite, die Liegebretter, die Sitzbänke und weiter draussen die Flosse und Bojen, sie alle tragen zur Ausstrahlung der Badhütte bei, ein Hauch Nostalgie im Hier und Heute.

Die spannendsten Geschichten rund um die Badhütte sind jene, die von den Menschen selbst erzählt werden. Es sind persönliche Erlebnisse, freudige und bedenkenswerte Begebenheiten. Auch das macht die Badhütte aus. Denn hier gibt es (fast) nichts, was ablenkt. Zuhören, selber etwas erzählen, schwimmen, Glace schlecken und weitere Köstlichkeiten vom Kiosk und aus der Küche geniessen, gehören zum «Erlebnis Badhütte». Eine kleine Welt über dem Wasser, der es Sorge zu tragen gilt.

Richard Lehner (*1957) ist Autor des Buches «Badhütte Rorschach – Geschichte(n) über dem Wasser» (2003) und der neuen Publikation «100 Jahre Badhütte Rorschach», die ab 22. Juni 2024 in der Badhütte und in der Buchhandlung WörterSpiel und im Buchhandel erhältlich ist. Mit neuen Texten, zahlreichen farbigen Bildern, aber auch mit Auszügen aus dem vergriffenen Badhütte-Buch.

Die Badhütte im Hochwasser vom Juni 2024.

Jubiläumsanlass vom 22. Juni 2024

Am 22. Juni 2024 findet aus Anlass des 100 Jahr-Jubiläums der Badhütte eine kleine Feier statt:

10.00 Uhr: Ansprache von Stadtpräsident Robert Raths
10.15 Uhr: Ansprache von Richard Lehner
ab 10.30 Uhr: Begehung, kleine Fotoausstellung, Stehapéro
ca. 11.00 Uhr: Ende offizieller Teil

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