«Erst in der zweiten Halbzeit ging es richtig los»

Bild: Ruedi Krebs beim Interview im «Coffee Keylin». Während 30 Jahren stellte er der Öffentlichkeit sein Wissen über gute Architektur zur Verfügung.
In Kürze
Per Ende Dezember 2022 trat der Rorschacher Architekt und Raumplaner Ruedi Krebs aus der Stadtbildkommission zurück. Während 30 Jahren wirkte er in diesem Gremium mit und begleitete als Interessenvertreter der öffentlichen Hand – und letztlich auch der Bürgerschaft –wichtige Projekte, wie beispielsweise das Würth Haus und die Planung des Feldmühleareals. Wichtige Herausforderungen waren und sind das verdichtete Bauen im Einklang mit wertvoller historischer Bausubstanz.

Zur Person

Ruedi Krebs (Jahrgang 1949) führte zusammen mit zwei Partnern während vielen Jahren ein Architektur- und Raumplanungsbüro in St.Gallen. Trotzdem ist er mit ganzem Herzen Rorschacher geblieben. Das ist auch der Grund, warum er seit 1992 sein Wissen und Können in die Stadtbildkommission eingebracht hat.

Autor: Thomas Widmer
Während 30 Jahren wirkte der Architekt und Raumplaner Ruedi Krebs in der Stadtbildkommission mit. Ende 2022 trat er zurück. Als Interviewort wählte er das «Coffee Keylin» an der Signalstrasse. «Ich will keine Werbung machen», betont er, «aber ich schätze es, dass Rorschach mit diesem Lokal bereichert worden ist.»

Tatsächlich, der Treffpunkt ist gut gewählt. Das ehemalige «Signal» ist wie verwandelt. Schöne Architektur, gepflegtes Ambiente und ein bunt durchmischtes Publikum laden zum Verweilen ein. Hier treffen sich Familien, die von der grosszügig ausgestatteten Kinderecke Gebrauch machen, junge Literaturliebhaberinnen genauso wie Büezer und Rentner, die sich bei einem Kaffee oder Fruchtcocktail angeregt austauschen.

Ruedi Krebs, was war Ihre Motivation, der Stadtbildkommission beizutreten?

Ruedi Krebs: Ich bin Rorschacher durch und durch und liebe diese Stadt. Obwohl ich mein Architektur- und Raumplanungsbüro in St.Gallen betrieb, haben ich und meine Frau immer hier gewohnt. Es war mir wichtig, einen Beitrag an die bauliche und ästhetische Qualität Rorschachs zu leisten.

Wenn Sie zurückblicken, was waren aus Ihrer Sicht die eindrücklichsten Herausforderungen der Stadtbildkommission?

Die ersten 15 Jahre waren noch nicht so aufregend. Damals beschäftigten wir uns mit den passenden Farbtönen der Sitzbänkli an der Seepromenade, Fassadenbemusterungen und weiteren Details, die zwar sicher wichtig, aber nicht matchentscheidend waren.

Und später?

In der zweiten Halbzeit – also in den letzten 15 Jahren – wurde es dann so richtig interessant. Aus dem Bauamt entstand die Abteilung Bau und Stadtentwicklung. Diese Amtsstelle erarbeitete ein städtebauliches Leitbild, das richtungsweisend die Möglichkeiten einer Stadtentwicklung aufzeigt. Die Stadtbildkommission hat diese Arbeiten beratend begleitet. Das Bewusstsein für ein schönes Stadtbild wuchs. Und damit wurden auch unsere Aufgaben interessanter.

Inwiefern?

Wir konnten nun Empfehlungen zu grösseren Bauprojekten abgeben. Das geschah nicht einfach mit dem feuchten Finger in der Luft, sondern mit fundierten Abklärungen. So bereiteten wir die Grundlagen für Architekturwettbewerbe vor, definierten die Randbedingungen und Festlegungen für ein neues Projekt und bestimmten gemeinsam mit der Denkmalpflege schützenswerte Gebäude und ihre sinnvolle Integration in neu überbaute Flächen.

Welche Projekte finden Sie besonders erwähnenswert?

Spontan kommt mir das Würth Haus in den Sinn. Das ist ein von A bis Z durchgestalteter Bau, der sich selbstbewusst und perfekt in die Umgebung einfügt und mit seiner Kubatur und seiner speziellen Fassade einen interessanten Kontrast zum Hauptbahnhof bildet.

In welcher Form waren Sie bei diesem Projekt involviert?

Die Stadtbildkommission hat beratend eingegriffen, Pläne kommentiert und darauf geachtet, dass sich der Bau überzeugend in seine Umgebung einfügt. Dank hervorragender Architekten hatten wir bei diesem Projekt nur wenige Einwände. Wer heute mit dem Auto oder Zug in Rorschach einfährt, geniesst diesen Anblick. Und vereinzelte kritische Stimmen bei der Projektentwicklung sind verstummt. Salopp gesagt: Guter Geschmack ist eben auch lernbar.

Welche Projekte finden Sie sonst noch bemerkenswert?

Da gehört sicher auch die Überbauung des Feldmühleareals dazu. Von unserer Seite her galt es zunächst die Randbedingungen für den späteren Projektwettbewerb zu definieren. Erschliessungen und Baufelder wurden festgelegt, und gemeinsam mit der Denkmalpflege wurden schützenswerte Gebäudeteile definiert. Nun entsteht ein stimmiges Ensemble von bestehenden und neuen Bauten, die sich durch ihre hervorragende Lage direkt beim Stadtbahnhof und mit der direkten Anbindung ans Zentrum bestens für Wohnen und Gewerbe eignen.

Wo liegen die grössten Herausforderungen?

Unsere Stadt verfügt praktisch über kein Bauland mehr. Dennoch ist innere Verdichtung gefragt. Darum gilt es, bestehende Areale ansprechend umzugestalten. Die Grundfragen lauten: Wo und wie lassen sich Grundstücke für grosszügigere Projekte zusammenlegen? Wie lassen sich Neubauten mit historisch wertvoller Bausubstanz kombinieren? Wie nutzen wir vorhandene Flächen optimal, ohne das Gefühl von Enge zu erzeugen?

Diese Herausforderungen stellen sich sicher nicht nur beim Feldmühleareal

Nein, sie sind allgegenwärtig – auch bei kleineren Projekten. Denken wir beispielsweise an den Pedrotti-Block, wo zwei Parzellen zusammengelegt wurden, um einen grösseren Block zu erstellen, der die Anforderungen an eine sinnvolle und ästhetisch ansprechende Verdichtung erfüllt. Auf der Grundlage von Sondernutzungsplänen hatten wir ähnliche Situationen bei der Gestaltung des Löwengartenareals und bei der Überbauung an der Löwenstrasse. Ebenso wird mit dem Projekt «Jakobspark» gegenüber dem Jakobsbrunnen eine Überbauung realisiert, welche die Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsqualität Rorschachs nachhaltig verbessert.

Hatten Sie während der Amtszeit manchmal das Gefühl, ein ungehörtes, zahnloses Fachgremium zu sein?

Nein, wirklich nie! Auch wenn die Stadtbildkommission keinerlei Entscheidungsbefugnisse hat, wurden unsere Empfehlungen und Anträge immer sehr ernst genommen. Diese Wertschätzung des Stadtrates und weiterer Behörden hat uns immer motiviert, gute Arbeit zu leisten.

Womit haben sich Ihre Kollegen in der Stadtbildkommission in Zukunft zu befassen?

Ein grosses Thema ist die Hafenplatzgestaltung. Hier sind vor allem zusammen mit der Bevölkerung drei wichtige Fragen zu klären. Erstens: Kornhaus – wie soll es in Zukunft genutzt werden und welche Sanierungsaufgaben folgen daraus? Zweitens: Hafengebäude – welche Funktionen soll es erfüllen und wie soll es sich in die Umgebung einfügen? Drittens: Hafenplatz – wie soll dieser für Einheimische und Gäste möglichst einladend gestaltet werden? Vieles ist schon angedacht. Wichtig ist nun, was dabei herauskommt.

Was wünschen Sie Ihren Kommissionskollegen für die Zukunft?

Erfüllt Eure Aufgaben weiterhin so enthusiastisch wie bisher und bleibt am Ball – es lohnt sich!

Tatsächlich, der Treffpunkt ist gut gewählt. Das ehemalige «Signal» ist wie verwandelt. Schöne Architektur, gepflegtes Ambiente und ein bunt durchmischtes Publikum laden zum Verweilen ein. Hier treffen sich Familien, die von der grosszügig ausgestatteten Kinderecke Gebrauch machen, junge Literaturliebhaberinnen genauso wie Büezer und Rentner, die sich bei einem Kaffee oder Fruchtcocktail angeregt austauschen.

Ruedi Krebs, was war Ihre Motivation, der Stadtbildkommission beizutreten?

Ruedi Krebs: Ich bin Rorschacher durch und durch und liebe diese Stadt. Obwohl ich mein Architektur- und Raumplanungsbüro in St.Gallen betrieb, haben ich und meine Frau immer hier gewohnt. Es war mir wichtig, einen Beitrag an die bauliche und ästhetische Qualität Rorschachs zu leisten.

Wenn Sie zurückblicken, was waren aus Ihrer Sicht die eindrücklichsten Herausforderungen der Stadtbildkommission?

Die ersten 15 Jahre waren noch nicht so aufregend. Damals beschäftigten wir uns mit den passenden Farbtönen der Sitzbänkli an der Seepromenade, Fassadenbemusterungen und weiteren Details, die zwar sicher wichtig, aber nicht matchentscheidend waren.

Und später?

In der zweiten Halbzeit – also in den letzten 15 Jahren – wurde es dann so richtig interessant. Aus dem Bauamt entstand die Abteilung Bau und Stadtentwicklung. Diese Amtsstelle erarbeitete ein städtebauliches Leitbild, das richtungsweisend die Möglichkeiten einer Stadtentwicklung aufzeigt. Die Stadtbildkommission hat diese Arbeiten beratend begleitet. Das Bewusstsein für ein schönes Stadtbild wuchs. Und damit wurden auch unsere Aufgaben interessanter.

Inwiefern?

Wir konnten nun Empfehlungen zu grösseren Bauprojekten abgeben. Das geschah nicht einfach mit dem feuchten Finger in der Luft, sondern mit fundierten Abklärungen. So bereiteten wir die Grundlagen für Architekturwettbewerbe vor, definierten die Randbedingungen und Festlegungen für ein neues Projekt und bestimmten gemeinsam mit der Denkmalpflege schützenswerte Gebäude und ihre sinnvolle Integration in neu überbaute Flächen.

Welche Projekte finden Sie besonders erwähnenswert?

Spontan kommt mir das Würth Haus in den Sinn. Das ist ein von A bis Z durchgestalteter Bau, der sich selbstbewusst und perfekt in die Umgebung einfügt und mit seiner Kubatur und seiner speziellen Fassade einen interessanten Kontrast zum Hauptbahnhof bildet.

In welcher Form waren Sie bei diesem Projekt involviert?

Die Stadtbildkommission hat beratend eingegriffen, Pläne kommentiert und darauf geachtet, dass sich der Bau überzeugend in seine Umgebung einfügt. Dank hervorragender Architekten hatten wir bei diesem Projekt nur wenige Einwände. Wer heute mit dem Auto oder Zug in Rorschach einfährt, geniesst diesen Anblick. Und vereinzelte kritische Stimmen bei der Projektentwicklung sind verstummt. Salopp gesagt: Guter Geschmack ist eben auch lernbar.

Welche Projekte finden Sie sonst noch bemerkenswert?

Da gehört sicher auch die Überbauung des Feldmühleareals dazu. Von unserer Seite her galt es zunächst die Randbedingungen für den späteren Projektwettbewerb zu definieren. Erschliessungen und Baufelder wurden festgelegt, und gemeinsam mit der Denkmalpflege wurden schützenswerte Gebäudeteile definiert. Nun entsteht ein stimmiges Ensemble von bestehenden und neuen Bauten, die sich durch ihre hervorragende Lage direkt beim Stadtbahnhof und mit der direkten Anbindung ans Zentrum bestens für Wohnen und Gewerbe eignen.

Wo liegen die grössten Herausforderungen?

Unsere Stadt verfügt praktisch über kein Bauland mehr. Dennoch ist innere Verdichtung gefragt. Darum gilt es, bestehende Areale ansprechend umzugestalten. Die Grundfragen lauten: Wo und wie lassen sich Grundstücke für grosszügigere Projekte zusammenlegen? Wie lassen sich Neubauten mit historisch wertvoller Bausubstanz kombinieren? Wie nutzen wir vorhandene Flächen optimal, ohne das Gefühl von Enge zu erzeugen?

Diese Herausforderungen stellen sich sicher nicht nur beim Feldmühleareal

Nein, sie sind allgegenwärtig – auch bei kleineren Projekten. Denken wir beispielsweise an den Pedrotti-Block, wo zwei Parzellen zusammengelegt wurden, um einen grösseren Block zu erstellen, der die Anforderungen an eine sinnvolle und ästhetisch ansprechende Verdichtung erfüllt. Auf der Grundlage von Sondernutzungsplänen hatten wir ähnliche Situationen bei der Gestaltung des Löwengartenareals und bei der Überbauung an der Löwenstrasse. Ebenso wird mit dem Projekt «Jakobspark» gegenüber dem Jakobsbrunnen eine Überbauung realisiert, welche die Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsqualität Rorschachs nachhaltig verbessert.

Hatten Sie während der Amtszeit manchmal das Gefühl, ein ungehörtes, zahnloses Fachgremium zu sein?

Nein, wirklich nie! Auch wenn die Stadtbildkommission keinerlei Entscheidungsbefugnisse hat, wurden unsere Empfehlungen und Anträge immer sehr ernst genommen. Diese Wertschätzung des Stadtrates und weiterer Behörden hat uns immer motiviert, gute Arbeit zu leisten.

Womit haben sich Ihre Kollegen in der Stadtbildkommission in Zukunft zu befassen?

Ein grosses Thema ist die Hafenplatzgestaltung. Hier sind vor allem zusammen mit der Bevölkerung drei wichtige Fragen zu klären. Erstens: Kornhaus – wie soll es in Zukunft genutzt werden und welche Sanierungsaufgaben folgen daraus? Zweitens: Hafengebäude – welche Funktionen soll es erfüllen und wie soll es sich in die Umgebung einfügen? Drittens: Hafenplatz – wie soll dieser für Einheimische und Gäste möglichst einladend gestaltet werden? Vieles ist schon angedacht. Wichtig ist nun, was dabei herauskommt.

Was wünschen Sie Ihren Kommissionskollegen für die Zukunft?

Erfüllt Eure Aufgaben weiterhin so enthusiastisch wie bisher und bleibt am Ball – es lohnt sich!

Zur Person

Ruedi Krebs (Jahrgang 1949) führte zusammen mit zwei Partnern während vielen Jahren ein Architektur- und Raumplanungsbüro in St.Gallen. Trotzdem ist er mit ganzem Herzen Rorschacher geblieben. Das ist auch der Grund, warum er seit 1992 sein Wissen und Können in die Stadtbildkommission eingebracht hat.

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